«Die Liebe, die ewig hält.»

Christian Boros, Kunstsammler und Gründer der Kommunikationsagentur Boros kam vor 16 Jahren zum ersten Mal in die Uckermark. Ihm gefällt, dass hier spektakulär wenig passiert. Im Gespräch erzählt er, was er an historischen Gebäuden schätzt, warum beim Bauen die Details entscheiden und was die Uckermark aus seiner Sicht bewahren sollte. Florin hat ihn in Pinnow besucht.

Herr Boros, sie sagen: „I love Uckermark“. Erinnern Sie sich an den Moment, in dem aus Interesse Liebe wurde?

Ich war vor 16 Jahren das erste Mal in der Uckermark und verliebte mich sofort in diese besondere, spröde, wunderschöne Landschaft. Das beste Wort für die Uckermark ist „ereignisarm“. Und das meine ich natürlich als ein ästhetisches Superlativ.

Sie schaffen Orte für Kunst auf dem Land. Warum?

Kultur und Natur sind Gegenpole. Wenn man diese Gegensätze verbindet, dann ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile.

Viele Ihrer Projekte beginnen dort, wo andere nur Verfall sehen. Was sehen Sie zuerst?

Ich bin Optimist und deshalb sehe ich nur Chancen, Möglichkeiten und wunderschöne Endzustände, wenn ich ein verfallenes Haus betrachte, um es eventuell zu kaufen. Und ich mag es zu gestalten und zu formen.

Was verbindet den Bunker in Berlin mit Ihren Projekten in der Uckermark?

Nichts. Das ist ja das Schöne. Die Uckermark bietet mir neben dem Leben auf und im Bunker ein zweites konträres Leben.

Wenn Sie über Ihre Projekte in der Uckermark sprechen, etwa das Herrenhaus in der Nordwestuckermark, ist Ihre Begeisterung für die Sanierung des Park-Sees dieselbe wie für die handwerkliche Genauigkeit der Fassade. Woher kommt diese Aufmerksamkeit für das Detail?

Bei allen unseren Bauprojekten in der Uckermark machen die Details den Unterschied. Fugen, die 3 Millimeter versetzt in den Backsteinen liegen, schaffen bei Seitenlicht eine lebendige, strukturierte Fassade. Fugen, die plan verfugt sind, hingegen erzeugen ein Einheitsbrei von Ziegeln. Und die von mir verbauten Ziegel müssen natürlich handgeformt sein, denn nur so werden Backsteine lebendig. Und wenn sie dann auch noch im Holzkohlenofen gebrannt sind statt industriell erhitzt, dann hat jeder Ziegel eine leicht andere Farbe, je nachdem wie nah sie an der Glut war. Details sind nicht "nice to have", sondern ein "must have“. Der Unterschied von guter und exzeptioneller Architektur sind die leisen Zwischentöne, die Genauigkeit und die Präzision. Nicht der erste Wow-Effekt entscheidet, sondern die Liebe, die ewig hält.

Wann sollte ein historisches Gebäude in Ruhe gelassen werden und wann darf man ihm etwas Neues zumuten?

Historische Gebäude müssen meiner ­Meinung nach immer neu gedacht werden ohne das Alte zu ­negieren. Ich mag bei Denkmälern die ­ganze ­Geschichte von der Entstehung bis zur heutigen ­Nutzung.

Was erwarten Sie von ­Architekten, wenn Sie ihnen einen historischen Bestand anvertrauen?

Zuhören und nachdenken.

„Räume beeinflussen das Denken“, sagen Sie. Woran merken Sie, dass ein Ort gelungen ist?

„Wenn die Luft vor Klarheit erzittert“, wie der Künstler Gerhard Merz es zu sagen pflegte.

Rund um Berlin verändert sich das Land. Was würden Sie sich wünschen, bevor Investoren, Planer und Politik darüber entscheiden?

Die Künstlerin Jenny Holzer schuf den Satz „Protect me from what I want.“ Ich mag an der Uckermark, dass alles so beruhigend normal ist. Deshalb bin ich für Behutsamkeit bei allen Veränderungen.

Wenn Sie an die Uckermark in zwanzig Jahren denken: Was sollte geblieben sein?

Die Menschenleere, die Einsamkeit und die protestantische Schönheit.